Geschichtlicher Überblick


Der Bau einer neuen Orgel durch den Straßburger Orgelbauer Johann Andreas Silbermann für die Reichsabteikirche St. Georgen der Villinger Benediktiner war nicht nur für die Orgelgeschichte der damals in vorderösterreichischen Landen gelegenen Stadt Villingen ein bedeutender Einschnitt sondern für den gesamten damaligen südwestdeutschen Raum. Villingen wurde damit zur Schnittstelle zwischen der französich geprägten Orgelbautradition links des Rheins und dem süddeutschen Orgelbau, der im 18. Jahrhundert als weitgehend habsburgischer Einflussbereich ein Gebiet von Mainz bis Prag, Wien und Ungarn sowie vom Main bis an den italienischen Kulturbereich umfasste.

Auf Initiative von Prior Coelestin Wahl kam es am 14. Januar 1751 zum Vertragsabschluss zwischen Silbermann und dem Abt des Villinger Klosters, Hieronymus Schuh. Das als erstes auf rechtsrheinischem Boden von Johann Andreas Silbermann gebaute Instrument übernahm mit seiner Fertigstellung im Mai 1752 eine Art Schlüsselstellung im südwestdeutschen Orgelbau.   Elf weitere Aufträge für Orgel-Neubauten konnte Silbermann nämlich in den Folgejahren verbuchen, darunter seine größte Orgel für das Benediktinerkloster in St. Blasien.   Nur wenig mehr als 5 Jahrzehnte hatten die Mönche in Villingen Freude an ihrer kostbaren und beeindruckenden Silbermann-Orgel.
Nach der infolge der Säkularisation erzwungenen Auflösung des Konvents musste sie auf Weisung des Großherzogs Karl Friedrich von Baden abgebrochen und für die neu erbaute protestantische Stadtkirche in seine Residenz Karlsruhe geschafft werden. Dort fiel sie im Laufe der Jahre den vielfältigen Umbauten und Veränderungen entsprechend den jeweiligen Zeitvorstellungen zum Opfer. Die Kirche ging bei einem Bombenangriff auf Karlsruhe 1944 in Schutt und Asche.

Mit der totalen Rekonstruktion der verloren gegangenen Orgel durch den elsässischen Orgelbauer Gaston Kern ist das silbermannsche Instrument 250 Jahre nach dem Bau des Originals quasi wieder an seinen alten Standort in der Villinger Benediktinerkirche zurückgekehrt. Die feierliche Orgelweihe fand am 21. September 2002 statt.